Programmieren? Definitiv Frauensache!

Können Frauen coden? Die Frage danach sollte eigentlich kein Thema mehr sein. „Sollte“ betone ich, nachdem ich vor kurzem heftige Kritik für einen Beitrag zur Zukunft von C# einstecken musste. Fachlich kann man wegen Programmiersprachen natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Aber das Argument, Frauen können nicht programmieren und deshalb nicht mitreden, ist einfach – und ich kann es nicht anders formulieren – Schwachsinn.

Heute kann man sich das kaum noch vorstellen, aber Programmieren galt früher tatsächlich als Frauenberuf. Die ersten Software-Entwickler waren in den 1940er-Jahren Frauen. Präzise arbeiten, geduldig sein und einen Blick fürs Detail haben – alles Stärken, die man dem „schwachen“ Geschlecht zuschrieb. Die Amerikanerin Margaret Hamilton wiederum, Leiterin einer Entwicklungsabteilung bei der Nasa und der Kopf hinter dem Bordcomputer für die Apollo-Mission, prägte maßgeblich den Begriff „Software Engineering“. In den letzten Jahrzehnten hat sich dann das Image der IT-Jobs von typisch weiblich zu typisch männlich gewandelt. Der Frauenanteil unter den deutschen IT-Experten liegt aktuell bei lediglich 17 Prozent, die Zahlen des Branchenverbands Bitkom sind allseits bekannt. Und beim Programmieren sogar noch einmal deutlich niedriger. Längst stecken Politik und Wirtschaft viel Geld in Kampagnen, um Mädchen und Frauen für MINT-Fächer und -Berufe zu begeistern. Und das ist gut so: Developer können heutzutage aus einer Fülle an Jobangeboten wählen und genießen neben einer ausgesprochen guten Bezahlung eine hohe Flexibilität in der Gestaltung ihres Arbeitsalltags. 

US-Forscher wollen sogar herausgefunden haben, dass Frauen die besseren Programmierer-Skills aufweisen. Dafür analysierten die Wissenschaftler einen Tag lang die Aktivität auf der Plattform GitHub. Den Open-Source-Dienst nutzen Software-Entwickler, um Programmierprojekte zu strukturieren und zu organisieren. Unabhängig von der Evidenz dieser Untersuchung – was zeichnet eigentlich einen guten Programmierer aus? Über welche Fähigkeiten muss er verfügen? Natürlich muss er zumindest eine gängige Programmiersprache sehr gut beherrschen, daran führt kein Weg vorbei. Darüber hinaus sollte er sich aber auch durch verschiedene Soft Skills auszeichnen. Logisches Denken und ein abstraktes Vorstellungsvermögen beispielsweise: Das Herausfinden, welcher Fehler oder welche fehlerhafte Codezeile zu einem Problem in einem Projekt geführt hat, ist teilweise intuitiv, aber häufig eine Frage der Logik. Und da der geschriebene Code niemals physikalisch betrachtet und gemessen werden kann, müssen erfolgreiche Programmierer die Fähigkeit besitzen, auf mehreren Ebenen gleichzeitig über ein Thema, ein Objekt oder ein Projekt nachzudenken. 

Dazu kommen ein interdisziplinäres Verständnis und ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen: Es ist toll, eine Technologie genau zu kennen, aber Probleme in der realen Welt lassen sich nie mit einer einzigen Technologie lösen. Man muss vielmehr verstehen, wie die eigenen Codezeilen mit Software, Hardware und Netzwerk, aus denen sich das Ökosystem rund um die Anwendung zusammensetzt, interagieren. Genauso muss man sich in die Lage der späteren Benutzer versetzen können: Wie wird das Programm verwendet? Welche Funktionen sind hilfreich? Und zu guter Letzt sind Geduld und Kritikfähigkeit gefragt. In der Welt des Programmierens passiert es laufend, dass ein Code trotz Überprüfung nicht funktioniert. Ein Softwareentwickler muss deshalb mit Verbesserungsvorschlägen konstruktiv umgehen können und nicht nur auf seinen Standpunkt pochen. Einige dieser Soft Skills werden – um Stereotype zu bedienen – als weibliche Stärke angesehen. 

Deshalb mein Appell: weg mit programmierten Klischees. Die IT-Branche wirbt zu Recht um mehr Frauen.

 

 

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